Zwergensprache, ein umfassendes Programm zum Erlernen und Vermitteln der Babyzeichensprache in Deutschland, Österreich und der Schweiz unter Lizenz der Zwergensprache GmbH
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Zwergensprache

Mit Babys auf dem Weg zur Sprache

  • Titelbild Zwergensprache Magazin 12

Babymassage

„Berührung ist die erste Sprache des Kindes“

Gesagt hat das der französische Gynäkologe und Geburtshelfer Frederick Leboyer, der Vater der sanften Geburt. Leboyer hat auch die im Ayurveda verwurzelte indische Babymassage (Kumara Abhyanga) in den Westen gebracht, die deswegen hier auch häufig „Leboyer-Massage“ genannt wird. Auch Babymassage ist Kommunikation mit dem Kind – und wird deshalb auch ergänzend von vielen Kursleiterinnen angeboten.

„Durch unsere Hände sprechen wir zum Kind, so kommunizieren wir.
Berührung ist die erste Sprache des Kindes.
Das Verstehen kommt lange nach dem Fühlen.“
(Frederick Leboyer)

Das Bedürfnis eines Babys nach Körperkontakt, Zuwendung, Liebe und Geborgenheit ist genauso stark ausgeprägt wie das Bedürfnis zu hören, zu essen und zu trinken. Liebevolle, zärtliche Berührungen sagen dem Baby: ich bin willkommen, werde geliebt und gehalten sowie beschützt und umsorgt.

Babymassage ist keine direkte Massagetherapie, sondern ein Wechselspiel, ein Geben und Nehmen von zärtlichen Gefühlen. Auf spielerische Art und Weise wird die Verbindung zwischen den Eltern und dem Kind vertieft. Körperkontakt und liebevolle bewusste Berührung sind Grundbausteine eines jeden Babys und Voraussetzung zu einem gesunden Aufwachsen zu einem glücklichen, ausgeglichenen Menschen.

 

„Berührt, gestreichelt und massiert werden,
das ist Nahrung für das Kind.
Nahrung, die genauso wichtig ist
wie Mineralien, Vitamine und Proteine
Nahrung, die Liebe ist.
Wenn ein Kind sie entbehren muss,
will es lieber sterben
und nicht selten stirbt es wirklich.“
(Frederick Leboyer)

Die Babymassage hat eine lange Tradition. In vielen asiatischen, afrikanischen und südamerikanischen Ländern wird die Technik seit Generationen von Müttern an ihre Töchter weitergegeben. Erst in den 80er Jahren wurde diese Kunst in den USA und zeitgleich auch  in Europa bekannter. Heute ist die Babymassage ein fester Bestandteil in der Neugeborenen Pflege. Regelmäßig angewendet bietet die Babymassage viele Vorteile:

  • vermittelt Nähe und Geborgenheit
  • befriedigt das Bedürfnis nach Liebe und Zärtlichkeit
  • vertieft die Eltern-Kind-Bindung
  • unterstützt die Stärken der Eltern
  • ein Geburtstrauma oder Ängste können abgebaut werden
  • Eltern können etwas positives für ihr Baby tun
  • Väter können mehr Kontakt zum Baby aufbauen
  • sie wirkt beruhigend oder belebend
  • bietet Hilfe bei Unruhe
  • unterstützt die Entwicklung eines Körperbewusstseins
  • besseres Schlafverhalten
  • Kreislaufanregung und somit bessere Durchblutung
  • stimuliert Endorphin Ausschüttung, wirkt deshalb schmerzstillend
  • die Ausschüttung vom Stresshormon Kortisol wird gehemmt
  • die Ausschüttung von Wachstumshormonen in der Hypophyse wird angeregt
  • verbesserte Verdauung, dadurch weniger Koliken
  • Aktivierung der Selbstheilungskräfte und somit Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten
  • Austausch von Lebensenergie

 

Im Folgenden möchte ich gern einige Babymassageformen kurz vorstellen.

Indische Babymassage nach Leboyer

Frederick Leboyer, geb. 1918, war viele Jahre Frauenarzt und Geburtshelfer in einer Klinik in Paris. Anfang der 70er Jahre machte er die Indische Babymassage in Europa bekannt. Weltbekannt wurde er durch sein Buch und seinen Film „Geburt ohne Gewalt“. In seinem Buch „Sanfte Hände“ beschreibt er die Kunst der Indischen Babymassage.

Bei der Indischen Babymassage wird der Körper mit festumschließenden Berührungen massiert. Mit einem langsamen und gleichbleibenden Rhythmus werden nacheinander die Brust, der Bauch, die Beine und Füße, die Arme und Hände, der Rücken und das Gesicht massiert. Die Massage wirkt beruhigend, da sich alle Massagegriffe vom Körperstamm weg bewegen.

Harmonische Babymassage nach Bruno Walter

Bruno Walter, geb. 1958, ist Masseur, Yogalehrer, Ausbilder, Autor und Privatdozent. Durch seine langjährige Tätigkeit, Studium und Aufenthalte in Indien entwickelte er die  Harmonische Babymassage.  Er erkannte schnell dass es große kulturelle Unterschiede zwischen Indien und der weltlichen Welt gibt, so dass er die Massage an unsere heutige Zeit anpasste.

Ziel der Harmonischen Babymassage ist es, die natürliche gesunde Entwicklung und das Entfalten der Persönlichkeit zu fördern. Alle Massagegriffe werden rhythmisch und fließend durchgeführt. Dabei werden die Griffe am Oberkörper, an den Armen und den Beinen und am Rücken ca. 20-30 Mal und die Sondergriffe im Gesicht und an den Ohren 3-4 Mal durchgeführt. Die Massage wird mit spielerischen Bewegungsübungen beendet.

Die Massage wird  mit dem Einsatz von Düften, Farben und Musik abgerundet. Diese positiven Sinnesreize haben einen wesentlichen Einfluss auf das Gehirn und dessen Leistungsfähigkeit, genauso wie auch die Entfaltung der Persönlichkeit.

Babymassage „Berührung mit Respekt“ nach Vimala Schneider

Die US-Amerikanerin Vimala Schneider entwickelte das Konzept „Berührung mit Respekt“ und gründete die internationale Gesellschaft für Babymassage.

Die Massage fördert die Bindung, vermittelt ein positives Körpergefühl, fördert Ressourcen und setzt neue Energien frei. Sie ist auf die Bedürfnisse des Kindes abgestimmt.

Die Streichbewegungen sollten langsam, rhythmisch sein und genauso kräftig, das sie angenehm und anregend sind. Sie beginnen an den Beinen und Füßen, gehen weiter zum Bauch, zur Brust, zu den Armen und Händen, dem Gesicht und dem Rücken und enden mit sanften Bewegungsübungen.

„Loving Touch“ Massage nach Ruth Rice

Ruth Rice ist eine amerikanische Ärztin, die eine streichende Massage für Babys, die unter traumatisierten Umständen oder zu früh auf die Welt gekommen sind, entwickelte. Durch diese sanften  Berührungen soll der Geburtsstress abgebaut, die Entwicklung unterstütz und die Eltern-Kind-Bindung gefördert  werden.

Die amerikanische Psychologin Tiffany Field untersuchte bereits 1987 die Auswirkung von Massage auf die Gewichtsentwicklung der Frühgeborenen. Sie kam zu dem Ergebnis, das massierte Frühgeborene schneller an Gewicht zunahmen, deshalb eher aus der Klinik entlassen werden konnten. Weiterhin zeigten Frühgeborene bessere motorische Reaktionen, stabile Vitalwerte, weniger Stressverhalten und eine bessere Eltern-Kind-Bindung.

Bei der Massage wechseln sich safte Streichungen in Bauchlage und Bewegungsübungen in Rückenlage ab.

Schmetterlingsmassage nach Eva Reich

Eva Reich, geb.1924, war Kinderärztin und Körpertherapeutin. Sie entdeckte am Anfang der 50er Jahre, das zarte Massage  von Frühgeborenen und kranken Babys den Schock der Geburt, die abrupte Trennung von der Mutter, sowie schmerzhafte medizinische Eingriffe besser bewältigen können.

Sie entwickelte eine therapeutische Methode um die blockierte Lebensenergie zum Fließen zu bringen und die Entstehung fester Blockaden zu verhindern.

 

 


Die Berührung besteht aus streichenden, leicht schüttelnden und kreisenden Bewegungen. Die Massage erfolgt vom Kopf bis zu den Füßen und von der Körpermitte nach außen.

Babymassage: Zeit der Zärtlichkeit

Um die vielen Vorteile der Babymassage zu nutzen, empfiehlt es sich das Baby täglich zu massieren. Es ist hilfreich das Baby zur gleichen Tageszeit und am gleichen Ort zu massieren. Gerade ein gleichbleibender Rhythmus hilft dem Baby sich in unsere Welt einzuleben und unterstützt es in seiner Entwicklung.

Zum Massieren werden pflanzlich kaltgepresste Öle verwendet. Sie führen der Haut Nährstoffe und Feuchtigkeit, sowie Fettsäuren zu und unterstützen somit die natürliche Hautfunktion. In Indien massieren die Mütter ihre Babys mit Kokosöl, in unseren Breiten wird Mandelöl empfohlen. Mandelöl ist geruchsneutral und wird leicht von der Haut aufgenommen. Sollte ihr Baby darauf allergisch reagieren, dann wechseln Sie das Öl, und nehmen z.B. Jojoba- oder Calendulaöl.

Vorbereitungen:

  • gemütlicher Platz, ruhige Umgebung, angenehme Raumtemperatur
  • Hände waschen, Schmuck ablegen
  • Ölschale und Massageöl bereitstellen
  • Kuscheldecke oder Handtuch zum Unterlegen, Ersatzwindeln, evtl. Nuckel und Schmusetuch in Reichweite


Durchführung:

  • atmen Sie tief durch und entspannen Sie sich
  • das Baby liegt entkleidet auf Ihren ausgestreckten Beinen
  • in dieser Sitzhaltung oder auch Wiegeposition bleiben Sie mit dem Baby in Blickkontakt und können auf die Signale des Babys eingehen
  • zeigt Ihnen das Baby nach der Begrüßung das es bereit ist, dann beginnen Sie mit der Massage
  • je nach Massageform wird der Körper des Babys mit den entsprechenden Griffen massiert
  • den Abschluss der Massage können Sie ganz individuell gestalten,

schauen Sie auf die Signale Ihres Babys:

  • hat es Hunger bekommen, dann kann das Stillen oder Füttern mit der Flasche ein befriedigender Abschluss sein,
  • ist es unruhig, dann wählen Sie beruhigende Maßnahmen, z.B. schaukelnde Bewegungen, leises Summen,
  • ist es müde geworden oder eingeschlafen, dann lassen Sie es zugedeckt ein Weilchen schlafen
  • ist das Baby noch wach und aktiv, dann können Sie eine Spielrunde einlegen

Aus meinen eigenen Erfahrungen als Mutter von zwei massierten und getragenen Babys, sowie als Kursleiterin und den Rückinformationen aus meinen Massagekursen kann ich sagen, dass Babymassage eine wunderbare Bereicherung für unser Leben ist. Sie fördert in besonderen Maße die Eltern-Kind-Bindung und unterstütz die Babys in ihrer Entwicklung. Fangen die Babys mit 6 bis 8 Monaten an, ihre Welt, mit krabbeln o.ä. zu entdecken, dann rückt die Babymassage in den Hintergrund.

Im Kindergartenalter aber melden sich die Kleinen wieder und genießen die Zuwendung und Berührung durch die Kindermassage. Sie unterstützt die Kinder in der oft schwierigen Phase des Großwerdens und fördert auf spielerische Weise die motorischen Fähigkeiten.

Eine Massage, egal in welcher Altersgruppe erfolgt nie stumm, sondern wird immer mit Gestik und Mimik, sowie Sprache und Gesang begleitet. Dies bietet dem Baby oder Kind die Möglichkeit mit seinem Gegenüber in Kontakt zu treten und über Laute, Gesten und später mit der Sprache zu kommunizieren.

Umso mehr kommt mir der Gedanke einen Bezug zur „Zwergensprache“ herzustellen. Die Zeichen für „Mama“ oder „Papa“, „streicheln“ und „lieb haben“ können so ganz einfach in die Massage mit integriert werden. Die Babys und Kinder lernen somit frühzeitig sich gezielt mitzuteilen und ihre Gefühle auszudrücken bevor sie sprechen können.

Liebe Eltern, ich möchte Sie einladen, dies einfach auszuprobieren. Genießen Sie die Nähe zu Ihrem Kind bei der täglichen Massage und lassen Sie sich auf die „Gespräche“ mit Ihrem Kind ein.

 

 „Zuwendung und Liebe durch unsere Hände vermitteln den Weg in das Vertrauen zum Leben“
(Bruno Walter)


Zum Weiterlesen:

  • „Sanfte Hände“ von Frederick Leboyer
  • „Die Harmonische Babymassage“
               von Bruno Walter und Heidi Velten
  • „Babymassage“ von Vimala Schneider
  • „Bindung durch Berührung“
               von Mechthild Deyringer
  • „Streicheleinheiten“ von Tiffany Field

 

 

 


Autorin: Jana Herout ist Kinderkrankenschwester, zertifizierte Trageberaterin und Kursleiterin für Harmonische Baby- und Kindermassage.

Mehr über sie lesen Sie im Internet unter www.praxiskuschelbaer.de.


          
 
Ausgabe 12/2017
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