Zwergensprache, ein umfassendes Programm zum Erlernen und Vermitteln der Babyzeichensprache in Deutschland, Österreich und der Schweiz unter Lizenz der Zwergensprache GmbH
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Zwergensprache

Mit Babys auf dem Weg zur Sprache

  • Titelbild Zwergensprache Magazin 13

Versteh Dein Baby vom ersten Tag an:
Gebrauchsanweisung für Neugeborene

 

von Vivian König

 

Wäre es nicht praktisch, wenn ein Baby mit Bedienungsanleitung käme, so dass man konkret weiß, was es braucht, wenn es weint? Schon in der Schwangerschaftszeit voller Vorfreude auf das Kind überlegen wir mitunter mit leisem Zweifel: Werde ich es gut versorgen können, damit es glücklich ist? Wie gehe ich überhaupt mit meinem Neugeborenen richtig um? Wie erkenne ich genau, was es gerade möchte? Weil es doch schließlich noch nicht sagen kann, was es will.

Sein Baby vom allerersten Tag an richtig zu verstehen, ist tatsächlich möglich. Wie das funktioniert? Es ist ganz einfach und logisch, wenn man erst einmal gelernt hat, worauf man hören und achten soll, bei dem, was Dein Baby Dir sagt. Tatsächlich nutzt jedes Neugeborene auf dieser Welt die gleichen fünf Laute für seine allerersten Grundbedürfnisse. Es äußert damit, ob es Hunger hat, müde ist, aufstoßen muss, Bauchweh und Kolik hat oder sich unwohl fühlt, weil es z.B. zu warm oder kalt ist, es eine neue Windel braucht oder es woanders drückt. Diese eindeutig zuordenbaren Baby-Laute basieren auf seinen angeborenen körperlichen Reflexen. Deshalb sind sie auch weltweit bei allen Neugeborenen gleich – ganz egal zu welchem Kulturkreis das Baby gehört oder mit welcher Muttersprache es aufwächst.

Das hat die Natur clever eingerichtet: Der Schrei eines Menschenbabys ist wie der eines hilflosen Jungtieres ein echter Schutzmechanismus. Er muss spezifisch und unterschiedlich sein, damit jede Mutter – egal ob Mensch oder Tier - sofort richtig darauf eingehen kann, so dass das wehrlose Junge sich schnell wieder beruhigt und keine Fressfeinde anlockt. Logisch, oder?

Entdeckt hat diesen direkten Zusammenhang von spezifischen Babylauten und biologischen Grundbedürfnissen von Neugeborenen die Australierin Priscilla Dunstan. Priscilla wurde mit einer bemerkenswerten Gabe geboren. Schon als Kind konnte sie ein Mozart-Stück nur hören und es Note für Note auf ihrer Violine nachspielen. Dieses besondere fotografische Gedächtnis für Klänge bekam nach der Geburt ihres Sohnes eine ganz neue Bedeutung.

Priscillas Sohn Tomas war eines von vielen Babys, die an Kolik und langen Perioden unerklärlichen Weinens leiden. Sie selbst fühlte sich wie viele junge Mütter oft isoliert und gestresst, weil sie nicht wusste, was sein Weinen bedeutete und was er brauchte. Sie beobachtete bei Tom aber span-nenderweise, dass er, bevor er zu schreien anfing, einige Laute äußerte. Sie hörte ihm aufmerksam zu und entdeckte ein Muster und den Sinn dahinter.

Aus jahrelanger Erfahrung als Opernsängerin wusste Priscilla, wie Klänge von unserem Körper erzeugt werden. Sie fing an, ein Tagebuch mit Notizen zu führen, welchen Klang sie bei ihrem Baby hören konnte und was sie genau tat, damit Toms Weinen aufhörte. Ein Jahrzehnt an Forschung und Studien mit über 1000 Babys aus über 30 Nationen bestätigten ihre Entdeckung. Es gibt tatsächlich eine universelle Babysprache (nach Priscilla „Dunstan Babysprache“ genannt), die das klassische Rätselraten, wie es die meisten jungen Eltern kennen, in eine akkurate und effektive Kommunikation verwandelt.

Wenn ein Baby weint, tippen wir bisher häufig zuerst auf Hunger und stillen es. Immer wieder beobachtet man, dass Babys bei jedem Weinen „ruhig gestillt“ werden. Liegt das Bedürfnis aber ganz woanders, erwächst Verunsicherung (denn das Stillen funktioniert vermeintlich nicht, Kinder lassen sich in solchen Situationen nicht anlegen und ggf. wird sogar ein „Kampf“ daraus. Sagt das Baby anstatt „Hunger“ in dem Moment „Ich muss Bäuerchen machen“ und wir kennen den Unterschied der Laute nicht, geben wir Milch auf die in seinem Brustkorb festsitzende Luftblase. Diese wird dadurch in den Bauch hinunter gedrückt und verursacht in Folge Blähungen. Das Baby wird also noch mehr weinen und Schmerzen haben. In vielen Familien die typische schwierige Phase ab 17.00 Uhr.

Auch Bauchweh benennt es uns konkret mit einem Laut. Erkennen wir dies, können wir ihm z.B. durch Bauchmassagen oder Fliegergriff beistehen. Solange Du den Bauchweh-Laut von Deinem Kind hörst, weißt Du, Du tust das Richtige, um ihm zu helfen. Erkennen wir es nicht, probieren wir hilflos herum, was uns alles einfällt. Das Baby wird verständlicherweise immer ärgerlicher und das Schreien eskaliert. Am Ende sind alle ausgepowert. Die Nerven können dann schon mal blank liegen. Das muss nicht sein. Fünf spezifische Laute kann jeder erkennen und unterscheiden lernen!

Genauso verhält es sich mit „Ich bin müde“. Du kannst das Baby bei dieser Äußerung leichter hinlegen. Es schläft in dem Moment gut ein, weil es noch nicht überreizt, übermüdet oder gestresst ist. Es lernt dann mit Deiner Hilfe, sanft alleine in den Schlaf zu finden, anstatt dauerhaft nur an der Brust einschlafen zu können.

Indem Du weißt, was Dein Baby Dir sagt und was es wirklich gerade braucht, kannst Du solche und andere Missverständnisse leicht vermeiden und in eine entspannte, flexible und vom Baby ausgehende Routine finden.

Eltern auf der ganzen Welt berichten darüber, wie das Erlernen der Dunstan Babysprache ihr Leben und das Erleben ihres Babys verändert, weil es den Druck und Stress aus dem Babyalltag nimmt. Sie sagen, es ist, als hätte man ein neues Paar Ohren geschenkt bekommen. Indem man innehält und zuhört, erkennt man Babys Bedürfnisse rasch und kann sie leicht erfüllen. Papa genauso gut wie Mama. Nur fürs Stillen bei „Hunger“ müsste das Kind der Frau weitergereicht werden,
ansonsten ist ab jetzt auch Papa mit den gleichen Fähigkeiten zur Baby-Versorgung ab Tag 1 ausgestattet dank des übersichtlichen Dunstan-Werkzeugkastens.

Die Dunstan Babysprache stärkt Deine Familie, Du fühlst Dich dadurch sicherer in Deiner Rolle als Mama oder Papa und bist Deinem Kind besonders nah. Habt Ihr ein zufriedenes Baby, das weniger weint und das Ihr zusammen aktiv versorgen könnt, profitiert auch die Partnerschaft davon. Weniger Stress und mehr Schlaf für alle sind außerdem eine gute Basis für ein harmonisches Familienleben.

Auch größere Geschwisterkinder – ja die ganze Familie – können die Sprache und die Bedürfnisse des Babys auf diese Weise verstehen lernen. Alle Babys teilen uns ganz konkret mit, was sie brauchen und wir müssen nur richtig reagieren. So hat man ein Babylein, das zufrieden ist und eine Familie, die nicht von einem gestressten Neuankömmling dominiert wird.

Willst Du lernen, wie man Babys besser versteht? Seit kurzem gibt es Dunstan Babysprache Workshops für Eltern oder Fachpersonal auch in verschiedenen Orten in Deutschland, Österreich und der Schweiz (www.dunstanbabysprache.com), die Dir diese “Lausch- und Übersetzungshilfe“ beibringen.

Einen Kurs besucht Ihr als werdende oder frischgebackene Eltern am besten gemeinsam während des letzten Schwangerschaftsdrittels oder während der ersten 12 Lebenswochen Eures Kindes. Die Dunstan Laute verwenden Babys meist bis zum vierten Lebensmonat. Gehen Mama und Papa in dieser Zeit verlässlich auf die Laute ein, wandelt sich ab dem vierten Monat Babys reflexbasierte Kommunikation in eine bewusste Anwendung der fünf spezifischen „Worte“. Es behält diese dann zum Teil bis zum ersten Geburtstag bei.

Wenn das Baby sich im ersten Lebensjahr weiterentwickelt und seine Umwelt immer mehr entdeckt, kommen schrittweise natürlich noch andere Bedürfnisse dazu und es möchte auch seine Entdeckungen mit uns teilen. Dieses bewusste Mitteilungsbedürfnis vom Kind können wir dann über die daran anknüpfende Babyzeichensprache erfüllen, die weit über die bisherigen fünf Grundbedürfnisse der ersten Lebensmonate hinausgeht und eine neue Welt der Interaktion mit unserem Nachwuchs eröffnet, solange dieser noch dabei ist, in die verständliche Lautsprache hinein zu wachsen. Aber das ist ein anderes Thema…

Neugierig geworden?

Weitere Infos zur Kommunikation mit Babys findet man auch unter www.versteh-dein-baby.com.


          
 
Ausgabe 13/2017
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