• Titelbild Zwergensprache Magazin 15

Babyzeichen mit Geschwistern

Babyzeichen mit Geschwistern:
Unser ganz normaler Familien-Wahnsinn

von Alisa Pietzke

Mein Mann und ich wollten schon immer drei Kinder haben. Dass der Altersabstand möglichst gering sein soll, beschlossen wir, als mein ältester Sohn ca. 6 Monate alt war. Und „das noch ein Baby geht“ entschieden wir, als unser zweites Kind gerade mal 3 Monate alt war. Jetzt bin ich Mama von drei Kindern, und bei uns zu Hause geht es rund!

Mittlerweile ist Moritz 3 Jahre alt, sein Bruder Joschka 1,5 Jahre und Baby Mina ein knappes halbes Jahr.

Es gibt wirklich viel zu tun, das weiß jeder, der auch nur ein Kind hat, und alle anderen können es sich sicher vorstellen. Neben putzen, waschen, Essen machen (falls ich überhaupt zu irgendwas komme) besteht meine Hauptaufgabe darin, uns alle möglichst stressfrei durch den Tag zu bringen. Schaffe ich das? Nein. Ganz oft scheitere ich an dieser schier unmenschlichen Aufgabe. Mir und meinen Kindern zuliebe probiere ich es aber jeden Tag aufs Neue! Mittlerweile haben sich drei „Spiele“ bewährt, bei denen alle Kinder beschäftigt sind und ich mal mehr, mal weniger zum Gelingen beitrage. Was ich euch hier erzähle, ist also der ganz normale Wahnsinn bei mir zu Hause.

Spiel Nummer Eins ist natürlich das Toben. Das ist eigentlich der Grundmodus, in dem sich unsere Familie befindet.

Mein Ältester geht noch nicht in den Kindergarten und er ist unser kleines Energiebündel. Ganz gleich, was am Tag schon alles gemacht wurde, er braucht einfach Action. Sein kleiner Bruder findet natürlich, dass man seinem älteren Bruder die Dinge einfach nachmachen MUSS. Zu meinem Leidwesen ist es ihm dabei egal, wie oft er irgendwo runterfällt, sich den Kopf stößt oder beim Vorbeirennen umgerempelt wird. Dass am Ende immer der Kleine weint, scheint nur mich zu stören … . Wenn die beiden also lachend durch die Wohnungen rennen und übers Sofa hüpfen, ist es für mich nicht gerade entspannt. Ich stehe mahnend daneben und versuche der Freude nicht allzu drastisch Einhalt zu gebieten. Auch wenn ich die Jungs – zu ihrer eigenen Sicherheit natürlich – am liebsten festbinden würde. Das einzige, was aber wirklich hilft, ist, mich voll und ganz  auf das Spiel einzulassen, mit Kissen alles abzusichern und mich notfalls selbst als Klettergerüst anzubieten. Denn das Wichtigste an der ganzen Sache ist, dass beide Spaß haben und miteinander lachen.

Viel lieber ist mir natürlich die Alternative mit Musik und Tanzen. Dafür räumt Moritz sogar den Boden im Kinderzimmer frei, damit in der Mitte möglichst viel Platz zum Tanzen ist.  Wenn dann die Kinderlieder aus der Musikbox tönen, hört man außerdem lautes Getrommel oder Geflöte zusammen mit der lieblichen Stimme meines Ältesten. Denn mittlerweile kann er die Lieder schon text- und taktischer mitsingen! Auch wenn es eigentlich mehr ein Grölen als ein Singen ist, das laute „Bruder Jakob“ schallt dann in drei Sprachen gut verständlich durch die Wohnung. Der Kleine dreht sich bei dem Getöse freudig im Kreis bis er umfällt oder rennt um das Autohaus herum, welches vorher in der Mitte des Zimmers platziert wurde. Alle sind glücklich, und ich bin es auch, denn es gibt kein richtig oder falsch, kein Verbessern und kein „das ist meins“.

Jeder macht einfach, was er kann. Und Baby Mina? Die schläft, auch wenn es laut ist, oder sie schaut ihren Brüdern freudig zu. Da sie mittlerweile auch herzhaft lachen kann, haben sich neulich beide Jungs immer wieder vor ihr auf den Boden geschmissen. Familienglück pur und eine Erinnerung, die uns für immer bleiben wird.

Wem es jetzt noch nicht aufgefallen ist, dem soll gesagt sein, dass es bei uns zu Hause meistens sehr laut ist. Daher freuen sich meine Ohren, dass auch Bücher schauen zu den Lieblingsbeschäftigungen meiner Kinder gehört. Leider geht das noch nicht so von alleine, wie ich es gerne hätte, denn natürlich wollen beide Kinder MIT MIR schauen. Dem großen Moritz soll ich vorlesen und das Buch dabei halten. Der kleine Joschka will lieber halten und umblättern, und ich soll ihm sagen, wie die Dinge heißen, wenn er mit dem Finger drauf zeigt. Von mir als Mutter werden dann hohe diplomatische Fähigkeiten verlangt, wenn ich beides unter einen Hut bringen will. Wenn es gut klappt und beide Kinder gut drauf sind, erfüllt sich mein sehnlichster Wunsch: Meine beiden Söhne schauen zusammen ein Buch an, ganz ohne mich! Joschka tippt dann auf ein Tier, sein großer Bruder Moritz sagt, wie es heißt, macht ein Geräusch dazu und das passende Babyzeichen. Einfach ein Traum!

Die Babyzeichen spielen eine große Rolle in unserem turbulenten Familienalltag. Kennengelernt habe ich sie, als mein Erstgeborener acht Monate alt war. Damals besuchten wir zwei einen Zwergensprache-Kurs, und ich war sofort Feuer und Flamme. Und ich musste nur knapp einen Monat auf seine ersten Zeichen warten: Mit knapp neun Monaten benutzte er die Gesten, um sich mitzuteilen.

Ich war so begeistert, dass ich mich direkt als Kursleiterin beworben habe.

Es ist einfach schön, so viel über die Gedankenwelt der Kinder zu erfahren – wer weiß denn schon, was in so einem kleinen Köpfchen vor sich geht? Womit sich das Kind gedanklich beschäftigt? Was es vielleicht wissen oder erleben möchte? Ich weiß nicht wie oft ich mir dachte: „Ohne die Zeichen hättest du das jetzt nicht gewusst, bzw. fehlinterpretiert.“ Als mein zweiter Sohn auch endlich soweit war, dass er mit den Babyzeichen anfing (da war er eher ein Spätzünder) hatte mein großer die meisten Zeichen schon verlernt. Mittlerweile benutzt er die Babyzeichen aber wieder, wenn er mit seinen kleinen Bruder kommuniziert. Dann heißt es untereinander „Soll ich NOCHMAL?“- „Ja, NOCHMAL!“ oder „Der Papa ist ARBEITEN“. Ich bin froh, dass beide Kinder auf diese Weise miteinander kommunizieren können. Ich muss nicht immer erklären, was der Kleine will, er kann es seinem großen Bruder selbst zeigen und beispielsweise um HILFE bitten. 

Auch, wenn Harmonie und Ruhe nur Augenblicke dauern, weiß ich, dass ich die Sache mit dem „Kinder großziehen“ doch irgendwie richtig mache. Meine Kinder selbst geben mir die Kraft, auch morgen wieder die Brückenbauerin in ihrer Mitte zu sein. Ganz gleich, ob beim Toben, beim Tanzen oder beim gemeinsamen Lesen, Spielen, Singen, Aufmerksam sein und Erleben – jeder Moment der kindlichen Harmonie zwischen uns allen wiegt die durchaus auch vorkommende Frustration auf. Am Ende steht der große Wunsch, dass meine Kinder schon früh lernen, miteinander achtsam umzugehen, gemeinsam im Spiel auf sich zu achten und sich gegenseitig zu helfen und füreinander da zu sein.

Autorin: Alisa Pietzke, Molekularbiologin (M.Sc.), Zwergensprache Kursleiterin für die Region Solingen und Wuppertal.

http://babyzeichensprache.com/zwergensprache/kursort/solingen.php


  Ausgabe 15/2019
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